Die unendliche Dringlichkeit der Transformation

Corona kam und mit ihrihmes die Transformation. Vor Corona musste ich immer an die Transformers denken, wenn von Transformation die Rede war. Diese lustigen etwas zu dicklichen, mächtigen Männchen, mit denen die kleinen Jungs der Leute Krieg spielten, die ihren Kindern Plastikspielzeug erlaubten. Verwandlungskünstler auf zu kurzen Beinen, die umfielen, wenn eine Barbie nur das Knie hob. Jetzt auf einmal ist Transformation, wenn die Kinder das Wort Videokonferenz nicht mehr hören können. Wenn jeden Abend über die digitale Fortsetzung der von heute auf morgen weggefallen Aufträge gesprochen wird. Wenn Großeltern zu Webinar-Testern werden und das WebEx-Probeabo  jeden und jede in die Verzweiflung treibt. Transformation des Jahres 2020 heißt auch, dass das Büro auf einmal wie ein Call Center aussieht, Lichter in Kreisform die Stehlampen ersetzen, Jogginghosen die bequemste Folge des Social Distancings sind und ich mich jeden Morgen geschminkt an den Schreibtisch setze, weil mich an einem Tag dank Meets, Teams, ZOOM & Co mehr Leute sehen, als sonst in einer Woche. Absonderlich geradezu für jemanden, der vor Corona davon gelebt hat, andere Menschen zu treffen. Viele andere Menschen. Transformation heißt Veränderung, heißt Wandel. In der politischen Theorie übernehmen Akteure das Zepter des Handelns und verändern ein System. 2020 hat ein Virus den aktiven Part übernommen. Treibt die Handelnden vor sich her. Auf einmal, innerhalb weniger Tage, ist das ganze Leben anders. Ohne Vorbereitung, ohne theoretische Grundlagen, ohne Wahl. Ich habe mein Kind noch nie so oft gesehen, wie in den letzten fünf Monaten. Noch nie. Office Schooling statt Home Schooling: Immerhin weiß es jetzt, dass ich nicht den ganzen Tag hinter dem Computer sitze, um Minecraft zu spielen. Das ist viel wert. Die Erschütterung dieser Zeit werden sie alle nie vergessen. Die Sorge. Die Anstrengung. Aber auch: Dass Transformation etwas Tolles sein kann. Wenn man sie annimmt, lebt und sich selber verändert. Noch einmal gut gegangen. Sagen die einen. Hoffentlich wird es wieder. Sagen die anderen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es nie wieder so sein wird wie vorher. Die Digitalisierung hat einen enormen Schwung bekommen, selbst in Deutschland. Wir müssen die Welle reiten. Mit Mut, mit festem Willen, Kreativität und Standkraft. Und dann zügig an das Handwerkszeug ran: Datenschutz, Sicherheit, europäische Systeme statt den Amerikanern und Chinesen das digitale Feld der Kommunikation zu überlassen. Darin liegen die Chancen für die Zukunft. Die Zukunft der Arbeit. Und der Wirtschaft. Die Transformation ist keine Theorie mehr. Sie macht Spaß. Sie ist das Leben 2020.